Mädelsdämmerung

Wir brauchen Veränderung. Essays

Mädelsdämmerung

MÄDELSDÄMMERUNG

Wir brauchen Veränderung

Essays

FREYA FRAUENKNECHT

kulturverlag.com
München
Copyright © 2011 Internationaler Kulturverlag München
Kindle-Ausgabe 2011
Titelfoto: Internationaler Kulturverlag München
Gestaltung: kulturverlag.com, München
ISBN 978-3-943237-01-6

Für meinen Anderl,
weil ich so sein kann, wie ich bin.

Persönliches Vorwort

Sie halten einen Strauß wahrer Begebenheiten in Ihren Händen. Manches mag konstruiert wirken, aber wie Sie wissen, schreibt das Leben die besten Geschichten. Falls Sie der ein oder andere Absatz entsetzt, können Sie davon ausgehen, dass ich nicht minder ergriffen war.

Zunächst habe ich begonnen, Erlebtes und Erzähltes aus Freude aufzuschreiben, doch schon bald konnte ich nicht mehr damit aufhören. Es hat mir die Augen geöffnet für viele weitere Geschichten, die sich tagtäglich um uns herum abspielen.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Durchstöbern der Welt
Ihrer
Freya Frauenknecht

Inhalt

Auf geht’s
Vielen Dank auch
Was die Oma schon immer wollte
Oh shit – schon wider Mädelsabend?!
Single – Ausschluss aus der Society
Was ist da nur schief gelaufen?
Kochen und putzen mit Glitzer & Glamour
Die Hodenlosen & der Babygeruch der Frau
Kinder?! Warum Frauen Hunde haben
Die Zeit läuft! Alleinerziehende
Junger Liebhaber – der auch Papi sein mag
Junggesellinnenabschied
Der Nestbau und die Babynamen
Mann-bleibt-zu Haus-Graus
Und, wo haben Sie sich kennengelernt?
Beeinflussbar ohne Ende!
Individualisten auf dem Vormarsch?
Mädels, seid ihr schon?
Warum seid ihr getrieben?
Der lahmende Hengst
Das Konsumkind
Über die Autorin

Auf geht’s

Angesichts der Zwickmühle in der sich Männer und Frauen heute befinden, empfand ich es als essentiell, die ganze Misere knallhart auf den Tisch zu packen.

Man muss es nicht gut finden, darum geht es nicht. Es reicht völlig aus, sich einige Punkte unseres gestylten Lebens bewusst zu machen.

Noch nie ging es uns besser. Wir schwimmen im Luxus, können unsere Zeit frei gestalten. Uns steht alles offen – vermeintlich.

Noch nie waren wir so unzufrieden. Noch nie waren junge Frauen so angepasst. Noch nie waren wir so unter Druck. Wir schlagen und diskriminieren unsere Männer und verwandeln uns in Monster – Stop – In the name of love – die meisten Herzen sind bereits gebrochen!

Los, ändern Sie es! Fangen wir an!

Vielen Dank auch

Danke. Großartig. Toll. Prima. Werft die BHs ins Feuer und alles wird gut! So einseitig habt ihr Revoluzzerinnen uns befreit – super! Und uns jetzt aber ganz schön im Regen stehen lassen! Und zwar uns alle! Männer wie Frauen, Eltern wie Kinder und Schulen wie Firmen. Herzlichen Glückwunsch! Zweifellos ist vieles besser als früher. Trotzdem habt ihr an einiges nicht gedacht.

Die Emanzipation brachte alles ins Wanken. Wie verteilen sich heute die Rollen? Warum hält keine Beziehung mehr? Gut, das Unverbindliche mal ausgenommen. Warum verlassen wir uns nicht mehr aufeinander? Weshalb ist die Frau der neue Mann?

Keiner hat uns gefragt, ob wir das so wollen. Abgesehen davon, warum geben die Männer bereitwillig alles auf? Schon jetzt scheint ihr Geschlechtsorgan das einzige Alleinstellungsmerkmal geworden zu sein.

Sicher, auch ich erinnere mich an die Ausschweifungen meiner Großmutter. Klar, ich habe keine Lust mein Haushaltsgeld abgezählt zu bekommen. Ich möchte auch die Entscheidungen meines Partners nicht einfach so hinnehmen müssen. Doch schon hier stellt sich ein großes Hindernis in den Weg, das die Damen von einst nicht miteinkalkuliert haben: ihre verzogenen und selbst produzierten hodenlosen Söhne.

Schon vorweg die kleine Information, die die meisten Frauen schon lange verinnerlichen mussten, die Männer von damals sind so gut wie ausgestorben. Ein paar Urgesteine laufen noch herum – Beziehungswillige – ich rate eingehend zum sofortigen Zupacken und nicht mehr los lassen! Was Besseres kann da nicht mehr kommen! Schnappt euch die letzten Ihrer Art und vermehrt euch! Wir brauchen mehr Testosteron.

Die Emanzipation war nötig, kein Thema. Ich bin dankbar, für alle Verbesserungen, die uns Frauen zugutegekommen sind. Wir sind rechtlich gleichberechtigt. Dürfen, bzw. müssen für uns und eventuelle Kinder sorgen. Weiter entscheiden wir über Art und Dauer der Beziehung. Wir können unser Leben leben und grundsätzlich stehen uns, in der Theorie, alle Wege offen.

Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt. Wir beobachten, dass der Posten der Mutter seit längerem nicht mehr en vogue ist. Dazu kommt, dass die Powerfrau, sofern die sich dann mal mit jungen 48 Jahren dazu entschließt das eingefrorene Sperma des tollen Typen mit dem Premium-Erbgut von damals (Vater High-End Imperator und Mutter 1A-Body, faltenlos und Kleidergröße zero, trotz Körpergröße von 1,78! – und dann noch sowas von einer spitzen Spirituellen!) zu nutzen, gesellschaftlich absolut außen vor ist, dass keine zweite aus ihrem Umfeld sich zu so einer Dummheit entschließen mag.

Dann gibt es das andere Extrem. Die Frau die einen exzellenten Beitrag leistet in der Wirtschaft oder in der Forschung und sich dann, nach vollendeter Familiengestaltung, dazu entschließt, alles aufzugeben.

Tja, so sehen es die Männer gerne. Doch Fakt ist, dass es hier an Kinderbetreuung, Arbeitszeitmodellen der Arbeitgeber und Toleranz in der Gesellschaft mangelt. Und genau in diesem Moment passiert das, wovor wir alle richtig Angst haben.

Wir bekommen vom Unternehmen, für das wir uns förmlich abgerackert haben, um uns selbst zu verwirklichen, keine innovativen und praktikablen Lösungen geliefert.

Hier ein gängiges Beispiel. „Frau Maier, wir möchten Sie als Leistungsträgerin unbedingt im Haus behalten, und bieten Ihnen daher an, nach dem Mutterschutz den asiatischen Markt zu übernehmen … ihre Familie ist sicher bereit mit Ihnen nach Singapur zu gehen … ach, Sie haben Bedenken? … doch, Kinderbetreuung wird dort zweisprachig angeboten … und für Ihren Gatten wird sich auch ein Posten finden … ah, Sie hätten am Anfang gerne halbtags gearbeitet – STILLE – Jaaaa, Frau Maier, wenn das soo ist, dann – PAUSE – hätten wir die Möglichkeit Sie am Empfang weiter zu beschäftigen …“

So oder so ähnlich läuft es in der Realität ab. Ärgerlich ist, dass Herr Unterholz von der Abteilung vis-à-vis dann urplötzlich den Posten von Frau Maier belegt. Herr Unterholz bezieht dann auch noch eine attraktivere Vergütung. Weiter erhält er dann noch den Dienstwagen den Frau Maier sich immer gewünscht und aus dummer Bescheidenheit nie gefordert hatte. Selbstredend werden für Herrn Unterholz nun auch zwei statt der einen Assistentenstelle besetzt.

Seltsam. Aber genau so passiert es. Fachlich mehr drauf und auch menschlich besser aufgestellt sind nicht selten die Frauen. Trotzdem werden sie am Zenit ihrer beruflichen Karriere oft von den unterlegenen Büroschlaffies überholt.

Diese Sesselpupser verfügen immer noch über mehr Sitzfleisch, das ihnen hilft, einfach auf den richtigen Moment zu warten. Zur Not wird die Kollegin mit irgendjemandem aus dem Bekanntenkreis verkuppelt. Bisher war auf die innere Uhr der Damen auch noch oft Verlass. Ob dieses Konzept allerdings auch weiterhin so erfolgreich für die Business-Herren aufgeht, bleibt fraglich.

Immer mehr Frauen schließen das Lebensmodell Familie grundsätzlich für sich aus. Manche bekommen noch Kinder, haben aber schon von Anfang an Kinderfrauen oder Au-Pair-Mädchen, die es ihnen ermöglichen lückenlos ihren Beruf ausüben zu können. Hier mangelt es bei Leibe nicht an prominenten Damen, die dieses Konzept praktizieren. Eine andere Möglichkeit steht oftmals nicht zur Debatte.

Erschwerend hinzu kommt, dass Frauen für Männer grundsätzlich keine akzeptablen Mitstreiter im Beruf darstellen. Männer messen ihren Erfolg anders als Frauen. Während Sie sich das Lifting, die Mode-Klassiker und den Traum vom Wohnen im Grünen bzw. mit großem Ankleidezimmer und Parkservice ermöglicht, schlägt er beim Porsche, der Uhr, dem Mega-Grill und dem Segeltrip zu. Nebenbei hat er jährlich wechselndes Golfequipment, das farblich zum Haserl Mitte 20 matcht. Männer unterhalten sich gerne über diese Dinge am Pissoir oder beispielsweise beim gemeinsamen Besuch auf der Reeperbahn.

Meine Damen, und wenn Sie mir jetzt innerlich hart widersprechen, ihr Partner habe zwar erstere Erkennungszeichen der Leistungselite kürzlich oder schon seit langem in seinem Besitz, würde aber niemals einen Fuß ins Rotlicht setzten, so muss ich Sie jetzt aufs Bitterste enttäuschen.

Das sind die kleinen Unterschiede. Frauen wollen es nicht wahr haben. Männer tun es, und vergleichen sich selbst noch im Etablissement. Und wir Frauen? Wir haben dort nichts zu suchen. Seien Sie nicht erschüttert meine Damen, schließlich ist das einer der wenigen Orte, die „ihm“ noch geblieben sind. Rütteln wir besser nicht daran.

Nun zu den Damen. Die weibliche Gesellschaft kann durchaus wie folgt unterteilt werden: In einen egomanen Haufen kinderloser, erlebnishungriger Globetrotterinnen auf der Suche nach dem VERsorger, und die Damen über 50, die ebenso egoman erlebnishungrig zusätzlich karrierefixiert sowie in der Welt zu Hause sind und auf der Suche nach dem BEsorger. Hier eine dringende Anmerkung, die unbedingt mitgeteilt werden muss für alle unter 50: Achtung Erkenntnis: der VERsorger-Typ ist ausgestorben – Daher rasche Alternativlösung nötig!

Gesellschaftsübergreifend sind materielle und sexuelle Bedürfnisbefriedigungen gefragt. Bloß keine Verantwortung. Bloß keine nachhaltigen Schädigungen für den Körper. Bloß nichts zusammen, alles geregelt – kein Risiko. Und bloß keine Beziehung!

Sicher, wir können ja mal essen gehen … ja klar, Wochenendtrip, ok – mehr?! … Was tut man nicht alles für die eigene Familie! Los, lasset uns Opfer bringen. Die Frauen geben in diesem raren Fall erst ihre vermeintliche Freiheit auf.

Diese beinhaltet i.d.R. so grandiose Dinge wie Mädelsabende, Shopping-Eskapaden, sinnlose Disconächte, ermüdende Pärchen-Einladungen oder das Abhängen in der Dauerschleife „Studenten-Party-Revival“. Natürlich bieten sich Fitness-Club oder Edelcafé genauso gut an, die nutzlose Zeit zu verplempern. Während die Vielzahl der Männer letztere Veranstaltungen, gepaart mit Fußball, Clubbing oder Go-Kart, gerne jede freie Minute ihres Lebens ausüben würden, geben es die Damen oft nur vor.

Sicher, genau jetzt werden viele Leserinnen das Buch verachten – doch diese Wahrheit muss raus! Mädels, gebt es zu – was bleibt denn noch, wenn alle cocoonen?

Die Pärchen sind zu Hause und kochen, bzw. fressen sich gemeinsam fett, sodass sie bis zum bitteren Ende zusammen bleiben müssen, weil sich bei dieser Optik ohnehin kein anderer mehr findet. Und die Singles treffen sich in diversen Happy-Hour-Hot-Spots, beim – Achtung! – Discofox oder Salsakurs. Gerne auch mal online im Netz, denn da kann man mehr vorgeben, und träumen vom „Mr. Right“. Der Moment des „Hosen-runter-Lassens“ folgt dann meist erst später. Wobei es manchen ja nur um die wörtlich zu nehmende Ausübung geht.

Um Himmels Willen! – Ist denn das nicht alles furchtbar ernüchternd? Und da stehen wir nun, nach der Emanzipation. Im Grunde hat sich innerlich fast nichts geändert.

Klar, das liegt wohl an dieser Evolution. Frauen wollen fast immer Kinder, einen Versorger, ein Heim. Und Männer wollen Ansehen, Sex und Macht.

Mädels, warum ist es denn nur so schwer sich darüber mit den Jungs einig zu werden? Sicher ist es toll eigenständig zu sein, und es ist auch nichts gegen eine beruflich erfolgreiche Frau einzuwenden. Es ist sogar sehr zu befürworten. Sicher sehen das auch Männer so, denn angeblich sind diese Damen ausgeglichener und mit sich selbst besser im Lot.

Und trotzdem bekommen die Herren noch eine auf den Deckel. Lasst uns wieder Frauen sein! Warum hofiert ihr uns nicht mehr? Habt keine Angst vor uns, wir freuen uns über Anerkennung! Mittlerweile halten wir Frauen nämlich männlichen Kollegen die Türen auf, und helfen Ihnen ins Jackett. Das hat wirklich etwas von Verrohung und Aufgabe der eigenen Kultur. Der Verlust solcher Umgangsformen ist ein unwiederbringlicher Schatz, der leider verloren gegangen ist damals, als die Frauen aufhörten BHs zu tragen, und ihre Sexualität entdeckten.

Sicher, das war gut und wichtig, nur haben wir so eine ganze Nation und eine gesamte Gesellschaft umgekehrt. Sind wir so zukunftsfähig? Bleibt die Gesellschaft so stabil? Angesichts des demografischen Wandels ist eine solche Gesellschaftsstruktur wohl kaum dienlich. Schade eigentlich. Weniger radikal wäre gut.

Was die Oma schon immer wollte

Ich hatte, wie die meisten von uns, zwei bezaubernde Omas. Noch dazu hatte ich das Glück auch noch beide kennen zu lernen. Vom Typ her hätten sie kaum unterschiedlicher sein können.

Die eine war ganz Dame aus der Stadt, mit obligatorischem Ausgehhut. Sie siezte selbst engste Freunde und war stets stolz und zurückhaltend. Sie lebte in Gehorsam und ordnete sich meinem Großvater unter. Sie war Hausfrau und Mutter und achtete penibelst auf die Außenwirkung der Familie.

Die andere Oma war nur unwesentlich jünger, und trotzdem ein völlig anderer Typ. Als Geschäftsfrau war sie mit ihrem Mann immer auf Augenhöhe. Unternehmenssinn und Fleiß, gepaart mit Strategie und Lokalpolitik waren der Dooropener. Unterschiedliche Prägungen. Trotzdem galt für beide Frauen gleiches. Obligatorisch war es bei der Familie und dem Mann zu bleiben, und zwar wirklich in Guten wie in Schlechten Zeiten. Die Ehe galt und hatte Gewicht. Jung haben die Frauen damals geheiratet und Kinder bekommen. Für viele war dann der Spaß vorbei, wie es immer so heißt. Allerdings verwenden diesen Ausdruck ja heute vorwiegend die Männer.

Unsere Omas predigten daher immer gebetsmühlenartig folgendes: „Kind, schau dass du immer auf eigenen Beinen stehst, und mach dich ja niemals abhängig von so einem Mannsbild.“ Oder sie gaben Weisheiten preis: „Darum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Besseres findet!“ oder „Verkauf dich nicht unter Wert!“ und auch „Das Wichtigste ist, dass du das machst was dir am Herzen liegt.“ und „Wenn du einen kennenlernst wäre es schon gut, wenn er was mitbringt, dann lebt es sich einfach leichter!“ spezieller und vor allem in ländlichen Regionen üblich ist „Liebe vergeht, Hektar besteht“ oder auch „Du, wie viele Stallfenster waren das nochmal?“

Und, obwohl ich wirklich fast alle Sätze beachtet habe, oder vielleicht auch gerade deshalb, bin ich heute schon wieder geschieden.

Meine Omas hatten Träume, viele wahrscheinlich. Sie machten keine Weltreisen, wussten, dass das Leben hart und entbehrungsreich sein kann, und wünschten uns Enkeln nur das Beste. Sie unterstützen uns. Wir hatten genug Zeit für die Schule und unsere Ausbildung. Die Auslandsaufenthalte sind ja mittlerweile nicht mehr großartig der Rede wert.

Naja, und trotzdem scheint die Rechnung nicht auf zu gehen! Alles hab ich beachtet, ehrlich Oma! Ich hab mein Leben genossen, schon als Teenager mein eigenes Geld verdient, hab Sport gemacht, wenig Süßes gegessen. Hab auf meinen Körper geachtet – sogar das Rauchen hab ich sein lassen – mich gut verkauft und eine super Ausbildung absolviert. Der Berufseinstieg hat auch geklappt – Yes! Und trotzdem fallen die Früchte nicht einfach so vom Himmel.

Der Haken: Die Zeiten haben sich geändert! Für unsere Omas war es echt easy vom gemütlichen Ohrensessel aus alte Sprüche und Binsenweisheiten los zu lassen, die heute mehr als fragwürdig erscheinen. Aus Großmutters Sicht standen uns die Türen weltweit sperrangelweit offen! Nur nichts anbrennen lassen – „lass das Mädel nur machen!“

Sorry Oma, aber so einfach ist es wahrlich nicht! Ihr konntet eure Kids sorgenfrei aufziehen, ihr hattet ein zu Hause, einen Mann, der bei euch geblieben ist. Das sind tolle Sachen, die zugegebenermaßen langweilen können. Trotzdem eine tolle Basis.
Ihr dachtet wir befänden uns im Paradies. Eigenes Einkommen, tolle berufliche Chancen – jeder Typ rennt uns sicher nach – Und dann auch noch diese medizinischen Möglichkeiten! „Mädel, wenn es nicht sein muss, brauchst du dir ja auch keinen Mann antun, das würde ich mir gründlich überlegen!“ Na super! Und warum läuft es jetzt doch nicht rund bei uns?

Ich lege meine Hand ins Feuer, dass Sie, werte Damen, auch zahlreiche Glaubenssätze der Mütter und Großmütter wie aus der Pistole geschossen aufsagen könnten. Mittlerweile hab ich ja in Selbsthilfebüchern gelesen, wie Sie vermutlich auch – da brauchen Sie sich wirklich überhaupt nichts denken, denn damit liegen wir nämlich alle voll im Trend! – dass man sich diese Sprüche aus dem Kopf schlagen soll – alles Humbug! Setzt einen tierisch unter Druck sagen die Psychologen. Lieber frei sein und glücklich sein dürfen, auch ohne Top-Verdiener an der Seite, die Kinder lassen wir jetzt thematisch mal lieber ganz außer Acht.

Ach liebe Omas dieser Welt, nein, es ist nicht einfach eure Erwartungen zu erfüllen. Ich habe trotz meines akademischen Grades noch keine Patente eingereicht. Nobelpreis – Fehlanzeige. Mein Jahreseinkommen birgt in meinen Augen auch noch viel Potenzial, d.h. es lohnt sich für mich noch nicht nach Luxemburg zu ziehen – Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

Zum Glück habt ihr, liebe Omas, unseren Müttern auch ordentlich Flöhe ins Ohr gesetzt. Daher dürfen wir heute die Träume unserer Mamas verwirklichen. Zum Ausdruck kommt dies darin, dass keiner der mitgebrachten Hanseln in euren Augen zum Bund der Ehe taugt. Wir immer noch erfolgreicher im Job sein müssen. Höher, schneller, weiter – permanent. Die Betreuung von Kunden und Zulieferern von drei Kontinenten für den Maschinenbauriesen lockt mittlerweile niemanden mehr hinterm Ofen hervor, denn das macht die Bauer Antonia ja sogar schon – na prima! Und wir Töchter spielen auch noch brav mit, indem wir uns täglich den Arsch aufreißen, um immer tollere Stories zu liefern für eure wöchentlichen „Ich-wär-schon-so-gern-Oma-Treffen“.

Ich bin gerade dabei mir das abzugewöhnen. Hab gemerkt dass ich das Leben gelebt habe, das sowohl Omas als auch Mamas gern gelebt hätten. Mit dem Unterschied, dass alle Parteien sich niemals hätten vorstellen können, wie beschissen das auch nur im Ansatz war! Merci bien!

Dank zahlreicher Bücher aus dem Segment „Lebenshilfe“ oder später „Psychologie“, stundenlangen Autofahrten mit spirituellen Audio-CDs, verabschiedete ich mich von diesem ganzen Scheiß.

Mütter dieser Welt, lasst eure Töchter Frauen sein, und kümmert euch darum, dass sie mit sich selbst zufrieden sind, anstatt sie für alles in die Verantwortung zu ziehen.
Drückt keinem die Verantwortung für euer Leben auf, und vor allem tut nicht immer so, als hättet ihr die Hölle auf Erden. In Wahrheit sehnen wir uns nach der heilen Welt, die ihr nie wolltet, und aus der ihr uns geschmissen habt.

Ihr habt die Männer verweichlicht, wolltet ihnen die Macht, die sie auf eure Mütter ausübten entreißen. Herzlichen Glückwunsch – mit Bravour gelungen! Keine von euch würde mit so einem leben wollen, aber danke, dass ihr sie uns lasst! Großartig!

Und so schließt sich der Kreis: Oma wollte Unabhängigkeit. Dementsprechend erzog sie ihre Kinder. Diese wollten Unabhängigkeit (= Mann hat 50 Stunden-Job = ok), eigenes Geld, tolles Scheidungsrecht, Kinder, Umweltschutz, Sicherheit, kein Establishment. Naja, dann kamen wir.

Wir sind nun erstmals so unabhängig, dass wir so dermaßen auf uns gestellt sind, dass wir Männer mittlerweile völlig aus dem Lebenskonzept ausgeschlossen haben – oder wart ihr das? Wir sind sowas von weltläufig, dass wir sechs Wohnsitze auf drei Kontinenten haben, sprechen viele Sprachen aber vermitteln vor lauter Diplomatie keinen Inhalt mehr, und verhandeln härter als jeder Knochenbrecher-Kurt. Für die Umwelt haben viele von uns das Rauchen aufgehört, veranstalten Video-Konferenzen via web2.0 und essen fast nichts mehr wegen der CO2-Bilanz. Weiterlesen

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