Mama al dente

Breze, We love Wiesn, München is not Berlin

München Mitte – Mama al dente

 

München Mitte

Mama al dente

Roman
Freya Frauenknecht

kulturverlag.com
München
Copyright © 2012 Internationaler Kulturverlag München
Originalausgabe 2012
Kindle-Ausgabe
Titelfoto: Internationaler Kulturverlag München
Gestaltung: kulturverlag.com, München
ISBN 978-3-943237-14-6

Für Andreas und unsere Heimat.

Inhalt

Einleitung
Bei der Kinderfrau
Home sweet home – Haidhausen
Familie komplett
George Clooney zum Frühstück
Im Offroader auf nach Schwabing
Der Tag danach
In Gedanken
Donnerstag
Die Geschichte mit Heinz
Muss das sein?!
Wie abgefahren!
Firmenwiesn
Schädelweh und Zuckerwatte
Kindervormittag
Ist es Liebe?
Was?! Büro am Promenadeplatz?
Überraschungs-Intermezzo
Ah, deshalb musste der Esstisch mit
Über die Autorin 

Persönliches Vorwort

Ich lebe zwar in München, dennoch sind die Figuren und Situationen im Roman frei erfunden. Es bestehen keine Zusammenhänge oder Ähnlichkeiten mit lebenden Personen. Eine sehr allgemeine Realitätsnähe ist gegeben. Alles könnte sich aber genau so, oder so ähnlich mitten in München abgespielt haben.
Jede Stadt ist eine Bühne und jeder Tag birgt neue Inspirationen.
Haben Sie viel Vergnügen beim Durchstöbern der Welt

Ihrer
Freya Frauenknecht

Einleitung

Eli sitzt vor ihrem Milchkaffee und grübelt über ihre Kindheit als Rosa-Schaumbad-Traum. Furchtbar. Bald muss sie die Kinder aus dem Kindergarten abholen. Sie ist müde und gereizt. Hoffentlich kommt Mike heute nicht zu früh aus dem Büro. Sie würde zu gern noch ein bisschen mit Madeleine telefonieren. Eli wohnt mit ihrer etwas großen kleinen Familie in München. Mike und sie haben drei wunderbare Kinder. Sie leben hinter der Kirchenstraße, im Eigentum. Zugegeben, ohne Mikes gutes Gehalt und den saftigen Zuschuss ihrer Eltern hätten die beiden das wohl nicht so schnell hinbekommen, aber immerhin haben sie es geschafft.
Eli denkt zurück an die Zeit in der viel zu engen Wohnung im schönen und teuren Lehel. Schrecklich war das und schön. Aber einfach viel zu klein, leider. Zum Kaffetrinken hatte sie nur einen Katzensprung. Und zum shoppen war es auch unglaublich praktisch. Na wobei, shoppen hat früher auch mehr Spaß gemacht. Die favorisierten Cremes und Shirts werden immer teurer und die Kinder geben Eli immer weniger Zeit. Aber das wäre ein anderes Thema.

Im Lehel war jedenfalls nur die Parkplatzsuche der blanke Horror. Naja, und als sie dann endlich einen Stellplatz in einer Duplexgarage ergattert hatten, wurde alles nur noch schlimmer. Eli vergaß – damals als Karl erst ein paar Monate alt war – die Handbremse vom neuen Familiengefährt zu ziehen. So ein neues Familienmitglied überrascht einen einfach doch mehr als erwartet. Nicht dass Karl schuld gehabt hätte daran, dass der Offroader damals gegen den Garagenboden depperte, als der Mitnutzer der Duplex-Garage diese herabließ, nein, das auf keinen Fall, aber schlimm war das schon.
Als dann Katharina unterwegs war, suchten Mike und sie schon was neues, bzw. größeres in Innenstadtnähe. Aber das schien ja wirklich schon so gut wie ausgeschlossen. Beinahe jeden Abend und natürlich auch an den Wochenenden schleppte die mittlerweile wieder hochschwangere Eli ihren Mike von Wohnungsbesichtigung zu Wohnungsbesichtigung. Der Mietmarkt in München ist brutal. Als Nicht-Münchner kann man es sich kaum vorstellen. Gefühlt Hamburg mal drei. Egal zu welcher Zeit versammeln sich Wohnungssuchende zu den Maklerterminen und finden sich überpünktlich mit sämtlichen Unterlagen inklusive SCHUFA- und Bankauskunft, gepflegter Erscheinung vor den Häusern ein. Egal was die Wohnung kostet. Als Mike dann den dritten Makler mit einem vierstelligen Geldbetrag erfolglos überzeugen wollte, reichte es ihm endgültig. Das muss um 2000 gewesen sein, denn da gab es in München innerhalb des Rings noch Immobilien zu erwerben. Inzwischen scheint der Markt wie leergefegt. Also, Mike war am Ende, Kleinkind Karl nervte, Eli hochschwanger mit den üblichen Gefühlsschwankungen, die Schwiegereltern riefen täglich an etc. pp. Schließlich war Mike dann irgendwann mit den Nerven durch. Zum Glück hatte sie bereits bei ihren Eltern vorgebaut. Immer als sich ihre Familie ankündigte, herrschte ganz bewusst, so ein Chaos in der Lehel-Bude, dass Elis Vater froh war, endlich einen Zuschuss zum Eigentum geben zu können. Auch Elis Mutter war happy, schließlich ist es als Hausbewohnerin im nahen Allgäu kaum vorstellbar einen Familie in einer 60 qm Wohnung unterzubringen.
Ja gut, so war der Hergang. Und heute sitzt Eli in ihrer Küche ohne Küche. Das einzige Gerät worauf sie sich in diesem leeren Raum verlassen kann – die George-Clooney Kaffee-Maschine. Ups, jetzt ist ihr Kaffee übrigens kalt. Sie muss los, die Kinder abholen. Friedrich, der jüngste mit einem Jahr ist bei einer Tagesmutti. Während Eli für Katharina und Karl im Kindergarten im Viertel einen Platz ergattern konnte. Der Friedrich ist noch zu klein. Da Eli allerdings nebenbei Kinderbücher illustriert, braucht sie Kinderfreie Fenster für sich im Tagesverlauf.

Schnell flitzt Eli ins Nachbargebäude zur Tiefgarage. Los, geht’s. Auf dem Weg zu Friedrich nimmt sie einem Kleinwagen die Vorfahrt. Egal, schließlich hat er noch rechtzeitig bremsen können. Weiter geht es durch den Mittagsdschungel. Sie überlegt ob sie irgendetwas zum Essen holen soll für sich? Die Kids wollen nur Pasta mit ohne alles.
Ah, da fällt ihr ein, dass sie den Hausmeister doch um eine einzelne Herdplatte gebeten hatte … na hoffentlich denkt der daran.

Bei der Kinderfrau

„Frau Klöter, wie gut, dass Sie endlich hier sind! Der Friedrich ist nicht zu beruhigen, obwohl wir fei schon Baby-Shiatsu gemacht haben!“ hört Eli schon von weitem, als Sie den Wagen des bayerischen Automobilherstellers, den Mike als Karrierist zu Mitarbeiterkonditionen bekommen hat, auf dem Gehweg abstellt. Den Motor lässt sie laufen, Warnblinker rein. Augenrollend und ein Lächeln aufsetzend geht sie auf Frau Schellinger zu.
Frau Schellinger ist eigentlich eine tolle Kinderfrau, doch Mike gefällt es überhaupt nicht, dass sie bairisch spricht mit Friedrich. Mike stammt aus Hannover, hat preußische Wurzeln und lässt keine Gelegenheit aus dies zu betonen. Da Frau Schellinger aber die einzige Tagesmutter mit freien Kapazitäten in einem Umkreis von fünf Kilometern war, hat Eli ihr als „Native“ einfach zugesagt ohne mit Mike darüber zu sprechen. Umso größer war das Fiasko dann, als Mike Friedrich zum ersten und bis dato einzigen Mal bei Frau Schellinger abholte. Den genauen Dialog konnte Mike Eli nicht mehr wiedergeben, aber eins war klar, eine gegenseitige Antipathie war wohl spürbar. Da Eli in der Region um Kempten aufwuchs, ist sie zumindest eines Dialekts mächtig, und hat somit bei Frau Schellinger einen Stein im Brett.
„Ja Frau Schellinger, was ist passiert?“ entgegnet Eli der Tagesmutter über den Innenhof, als diese ihr den weinenden Friedrich in den Arm drückt. „Scheinbar passt ihm unser neues Salzkristall-Kammerl nicht. Morgen kann der Fritzi dann wieder ins Spielzimmer, das heut‘ belegt war“ beschwichtigt die mittelalte Frau Eli. „Ah, das Spielzimmer war belegt?“ „Mei, wissen Sie, jetzt zur Wiesn-Zeit, da verdienen wir uns bisserl was dazu“. Verständnislos und doch etwas mitleidig verabschiedet sich Eli mit ihrem Fritzi, wie die Schellinger ihn nennt.
Sie hetzt zum Auto, und sieht nur noch die Rücklichter. Frau Schellingers Wohnung ist in Ostbahnhof-Nähe. Bisher ging Elis freches Parken immer gut, naja, bisher war Eli zugegebener Weise nicht klar, dass München eben doch kein Dorf ist. Super, denkt sie ganz toll. Friedrich hat sich übrigens wieder beruhigt … wird aber ganz schön schwer. Der Kinderwagen ist natürlich im Kofferraum! Mist, sowas von anfängermäßig, denkt Eli. Schnell greift sie in ihre Tasche und ruft Madeleine an … wollte sie ja sowieso.
„Ja Madeleine, gut dass du ran gehst! Sag, kannst du den Friedrich und mich bei der Frau Schellinger abholen kommen? … Ja, so schnell wie möglich wäre top!“ „Wofür sind Freunde da, schmatzt Madeleine ihr entgegen, ich komm gleich vorbei, Ciaoi“. Madeleine ist eigentlich gar nicht Elis beste Freundin, aber sie ist die Frau von Mikes Studienfreund. Daher unternehmen sie von Zeit zu Zeit etwas. Madeleine hat auch einen Sohn und das ist ein Segen! Die versteht wenigstens ansatzweise Elis Leben.
Es dauert nicht lange, und schon düst Madeleine an, in ihrem Astra Cabrio. Ihr elfjähriger Jonas ist mittlerweile schon in der privaten Ganztagesschule, deshalb hat sie Zeit für Ausflüge und Einsätze jeglicher Art – Hauptsache für einen guten Zweck!
„Oh Madeleine, dich schickt der Himmel“, strahlt Eli. “Na steigt ein, ihr zwei armen Wuzerl, was ist denn passiert?“ „Gleich, Madeleine, gleich, halt den Friedrich … ich muss die Polizei anrufen … da haben welche unsern Wagen geklaut! … Ich hab ihn wie immer auf den Gehweg gestellt … und als ich aus dem Innenhof von der Schellinger gekommen bin, hab ich die Bande mit unserem Auto wegfahren sehen – nachlaufen zwecklos…“ „Um Himmels Willen, Eli – und der Mike? – Hast Mike schon erreicht?“
Die Polizeiinspektion hat Eli inzwischen informiert … sie suchen die Kiste. „Madeleine, ganz ehrlich, ich wart‘ ab, was passiert, bis Mike heimkommt heut Abend, die Polizei wird unser Auto doch finden…stell dir vor, der Mike erfährt das, der kippt mir doch um! Der fühlt sich doch jetzt schon ausgebeutet, weil er auf Lebenszeit seinen Job machen muss, bzw. bis die Eigentumswohnung abgezahlt ist!“ „Ich hätt gedacht deine Illustrationen laufen so gut, wo ist‘s Problem??“ „Von wegen, das mach ich doch nur Alibi-mäßig, sonst müsst ich wieder in die Agentur … – Nein danke!“
Eli illustriert für einen Münchner Verlag von zu Hause aus Kindergeschichten. Anfangs gefiel ihr das auch, aber jetzt, nach fast fünf Jahren und unendlich vielen immer gleichen gezeichneten Häschen, Bäumchen, Kuchentürmchen und Puppenhäuschen langweilt sie ihre Aufgabe dann doch. Wäre sie ein großes kleines Mädchen, würde sie die Aufgabe womöglich ausfüllen. Sicher, das Illustrieren ist eine tolle Aufgabe und dass Eli malen kann ist zweifelsohne ein Geschenk. Doch viel lieber hat es Eli mit Linien und Kanten zu tun, deshalb hat sie die Kinderbücher drastisch zurückgefahren, seitdem Friedrich auf der Welt ist.
Apropos Friedrich. Er bekommt Hunger und quengelt rum. Eli erinnert Madeleine noch am Kindergarten vorbeizufahren um die beiden Großen einzuladen. Als sie in die Straße des Kindergartens einbiegen, stehen Karl und Katharina bereits geschniegelt vor der Tür. „Macht man das jetzt so, fragt Madeleine irritiert, bei uns war das früher nicht so, das ist doch gefährlich!“ „Weiß auch nicht was da los ist, aber gut, jetzt sind wir ja da“, meint Eli nur. Sie steigt aus, packt die zwei Ks ein und weiter geht es, zum Italiener. Eli hat Madeleine vorgeschlagen sie einzuladen für das Rumgegurke. Noch dazu entgeht sie so der Begegnung mit dem Hausmeister, der sie immer so nervt.
Die zwei Ks bekommen Pasta mit ohne alles, für Friedrich hat sie zum Glück noch ein Gläschen in der neuen Handtasche aus Berlin. Madeleine bestellt sich Gemüse und Eli will die Pizza Quattro Formaggio. Ein Genuss – Nervennahrung pur.
Wie immer sind die Blicke des gesamten Ladens auf die drei Kinder gerichtet. Eli gibt sich nicht als Mama zu erkennen. Das hat sie sich von den vielen anderen Müttern abgeschaut, die machen das auch so. Und heute weiß ja keiner mehr, ob man die Oma, die Freundin, die Tante oder das Au-Pair ohne Deutschkenntnisse ist. Der Hammervorteil: Sie sind nicht bei Umberto, dem Lieblingsitaliener von Mike am Stachus. Da könnten sich die zwei Ks und Friedrich nicht so aufführen. Madeleine nimmt es gelassen seit sie in den Staaten diese Entspannungsübungen gelernt hat.
Endlich … eine weitere Familie betritt das Lokal. Eli ist gespannt. „Zum Glück“, jubelt sie schon innerlich, die machen sicher noch mehr Krach als meine! Zu ihrem Erstaunen handelt es sich allerdings um eine Familie aus eher bescheidenen Verhältnissen. Die Eltern scheinen solche Kinderquäler zu sein, die ihre Nachkommen wohl sehr autoritär erziehen. Zu blöd aber auch! Jetzt fällt Elis Nachwuchs noch mehr auf in dieser Mischung aus Lunch- und Kinderparty-Atmosphäre. Sicher, sie könnte sich hineinversetzen in diese Mittagspausen-Macher, die nur eins wollen, einen Augenblick Entspannung und eine Art Zen-Moment in ihrem Arbeitswust, – doch Eli ist es leid. Sie hat schließlich ihre ganz eigenen Probleme. Als eine normale Unterhaltung mit Madeleine auf Grund des Lärmpegels ihrer Engelchen nicht mehr möglich ist, packen sie alles zusammen, zahlen und verlassen das Lokal. Weiterlesen

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s